Tipps zu Säulen-PA-Systemen

PPVMEDIEN GmbH
2020-08-12 12:00:00 / Musiker News & Infos
Tipps zu Säulen-PA-Systemen - Säulen-PA-Systeme

Für jeden sind bei der Anschaffung einer neuen Beschallungsanlage unterschiedliche Gesichtspunkte entscheidend. Wir klären, worauf es ankommt.

In der Unterhaltungsmusik, gerade bei kleineren Besetzungen, geht der Trend aktuell zu Säulen-PAs. Aber auch in diesem Segment gibt es sehr große Unterschiede. Egal, ob Säule oder klassische PA, generell sollten Sie bei Planung und Kauf einer PA folgende Fragen beantworten:

Wo spielen Sie? Entscheidend für die passende PA-Ausstattung sind dabei nicht nur die Raum- und die Publikumsgröße, sondern auch der Pegel und der Zustand des Publikums. Nicht lachen! Im Fachjargon spricht man vom so genannten Störschall. Als Musiker müssen Sie diesen um mindestens 10 dB übertönen, um überhaupt verstanden zu werden (Abbildung 1).

Beispiel: Ein Entertainer oder ein Duo, das Musik zum Tanztee in gediegener Lautstärke spielt, wird mit einem kompakten Säulensystem oder klassisch beschallt und verstärkt mit einem Powermixer gute Resultate erzielen können. Spielt die gleiche Formation aber eine Faschingsparty oder eine Apres-Ski-Veranstaltung mit 300 bis 400 tobenden Gästen, wird die PA an ihre Grenze stoßen. Der Sound wird unangenehm und verzerrt.

Wie hoch ist der Pegel auf der Bühne? Eine Live-Band mit akustischem Schlagzeug und mehreren Gitarren- bzw. Bassverstärkern auf der Bühne bringt schon einen sehr hohen Grundpegel, den die PA erst einmal übertreffen muss, um alle Schallinformationen zu Gehör zu bringen (Abbildung 2). Für die druckvolle Live-Band ist dann ein System mit separaten Subwoofern und Topteilen unumgänglich. Die Formel lautet: Je lauter die Band auf der Bühne, desto leistungsfähiger das Lautsprechersystem.

Wo sind Ihre musikalischen Schwerpunkte?
Diese Frage ist nicht immer einfach zu beantworten. Eine Unterhaltungs-Formation bei der Hochzeit beginnt um 19 Uhr mit leiser Dinnermusik und endet um zwei Uhr nachts in der Party-Rockrunde. Sind 50 bis 100 Gäste in ausgelassener Stimmung, ist wieder ein System mit leistungsfähigen Subwoofern und Topteilen empfehlenswert. Meist können Ihnen die Erfahrungen bei schon gespielten Veranstaltungen mit vergleichbarem Publikumszustand Anhaltspunkte geben.

Muss es heute eine Säulen-PA sein?
Wer sich mit der Frage beschäftigt, ob ein Säulen-PA-System pas­send für die eigenen Anwendungen ist, kann diese Grundregel einbeziehen: Mit einem qualitativ guten Säulen-System erreichen Sie mit weniger Lautstärke mehr Zuhörer über höhere Distanzen. In akustisch schwieriger Umgebung (Betonhallen, große Glasfenster, ...) klingt der Sound differenzierter und angenehmer. Durch den breiten Abstrahlwinkel kann die Monitorbox gegebenenfalls entfallen. Aber: Gerade kleine und kompakte Säulensysteme sind früher an der Pegelgrenze, hier kann schon bei 50 Personen in Partystimmung Schluss sein.

Ist ein Aktivsystem praktischer?
Aktiv-PAs versprechen einfaches Handling und sichere Verkabelung. Dank moderner Endstufentechnik fällt kaum zusätzliches Gewicht an und ein extra Endstufen-Rack entfällt. Wenn Sie öfters auf Partys spielen und die Subwoofer bei den Gästen stehen, werde sie auch als Getränkeablage missbraucht. Separate Endstufen sind hier die bessere Lösung.

Beratung und eigene Tests sind wichtig

Beim Lautsprecherkauf ist fundierte Beratung nötig. Deshalb ist der Gang zu einem Händler mit einer guten Auswahl an Beschallungsanlagen verschiedener Qualitäts- und Preiskategorien zu empfehlen. Das Bestellen im Internet ist nur dem zu empfehlen, der schon genau weiß, was er braucht.

Manchmal steht man im Laden dann vor einem kleinen Lautsprecher, aus dem enorm viel Lärm kommt und der trotzdem nicht viel kostet. Dies ist mehr oder weniger beeindruckend, man fragt sich aber oft, warum andere Systeme vielleicht das Vierfache kosten. Die Antwort ist einfach: Qualitativ hoch­wertige Komponenten sowie eine aufwändige DSP-Technologie treiben den Preis in die Höhe.

Ein Hersteller hat bei der Abstimmung zwei Möglichkeiten: entweder homogen oder laut. Laut heißt dabei meist eine Überbetonung bestimmter Frequenzen. Die Erfahrung zeigt, dass man bei Auftritten mit solchen „pseudo-lauten“ Schallwandlern in der Regel mehr Beschwerden wegen der Lautstärke bekommt, als mit homogen abgestimmten Systemen. Sind die Bedürfnisse geklärt und die Produktauswahl eingegrenzt, geht es ans Testen. Ein Lautsprechertest während eines Auftritts oder im Proberaum wird aber meist nicht zum gewünschten Ergebnis führen.

Die Erfahrung lehrt: Um einen Lautsprecher richtig zu bewerten, muss man sich in die Publikums­position begeben – also wirklich in Distanz vor der Schallquelle. Sinnvoll ist der Vergleichstest mit Ihren bisherigen Lautsprechern gegen das neue System. Hier wissen Sie am besten, was Ihr bisheriges System geleistet hat und was das neue besser kann.

Tipp: Beim Testen stellen Sie vielleicht fest, dass Ihr bisheriges System bei gleicher Pegelstellung lauter als das getestete neue System ist. Die Erklärung liegt in den unterschiedlichen Eingangspegeln der Systeme. Hersteller A hat z.B. einen Eingangspegel von +6 dB, Hersteller B ist teurer und hochwertiger, hat aber im Eingangspegel (seriöse) 0 dB. Somit ist Hersteller A lauter. Für einen aussagekräftigen Vergleichstest müssen deshalb die Eingangspegel angeglichen werden.

Der erste Einsatz der neuen PA

Den ersten Einsatz Ihres neuen Beschallungssystems sollten Sie nicht gleich vor Publikum beginnen, sondern mit etwas Ruhe angehen – am besten in einer größeren Location. Möglicherweise können Sie schon früh in eine Halle rein, in der Sie abends dann eine Veranstaltung spielen. Nehmen Sie sich aber auf alle Fälle genügend Zeit für das Aufbauen und Einstellen und bewerten Sie den Sound dann wieder in Distanz vor der Bühne in der Publikumsposition. Später dann auch von der Bühne aus.

Tipp: Beachten Sie, dass Sie im leeren Raum nicht mit zu großer Lautstärke testen. Wegen der längeren Nachhallzeit im leeren Saal werden Sie sonst kein befriedigendes Ergebnis bekommen. Der Sound wirkt dann kalt und mittenlastig, da zu viel Schallenergie an den Wänden reflektiert wird. Nach erfolgreichem Testen und Einstellen steht dem erfolgreichen Einsatz Ihres Beschallungssystems dann nichts mehr im Weg.

Den vollständigen Workshop lesen Sie in Tastenwelt 5/2020. Dort besprechen wir außerdem die wichtigsten Kriterien zur Planung des Auftritts und zum Aufstellen der Lautsprecher. Die Ausgabe können Sie gleich hier im Shop bestellen!


Text: Oli Merz


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